Morbus Crohn und Anämie: Was tun, wenn Müdigkeit, Eisen- oder B12-Werte zum Problem werden?

Das Wichtigste in Kürze
- Bei Morbus Crohn kommt es häufig zu Anämie. Eisenmangel und eine durch chronische Entzündungen bedingte Anämie sind die häufigsten Ursachen, und sie können gemeinsam auftreten.[1]
- Müdigkeit muss nicht immer auf eine Anämie hindeuten. Crohn-bedingte Müdigkeit kann auch bei aktiver Entzündung, Nährstoffmangel, Schlafstörungen und anderen Faktoren auftreten.[1]
- Ferritin allein sagt vielleicht nicht alles aus. Da Entzündungen den Ferritinspiegel erhöhen können, ziehen Ärzte neben dem Ferritinwert auch den Hämoglobinspiegel, die Transferrinsättigung (TSAT), das C-reaktive Protein (CRP) und andere Blutwerte in Betracht.[1]
- Ein Vitamin-B12-Mangel ist besonders relevant, wenn Morbus Crohn den Dünndarm betrifft oder nach bestimmten Darmresektionen. Menschen mit erhöhtem Risiko sollten ihre B12- und Folsäurewerte regelmäßig überprüfen lassen.[1]
- Die Behandlung hängt davon ab, warum die Anämie entstanden ist. Je nach Krankheitsaktivität und Schweregrad kann die Therapie die Gabe von oralem oder intravenösem Eisen, die Behebung eines Vitamin-B12- oder Folsäuremangels sowie die Behandlung einer aktiven Crohn-Entzündung umfassen.[1]
Warum kann Morbus Crohn zu Anämie führen?
Morbus Crohn kann durch Blutverlust, Entzündungen, eine verminderte Nährstoffaufnahme, eine unzureichende Nährstoffzufuhr oder eine Kombination dieser Faktoren zu einer Anämie beitragen.
Anämie bedeutet, dass nicht genügend gesunde rote Blutkörperchen oder nicht genug Hämoglobin vorhanden sind, um Sauerstoff effektiv durch den Körper zu transportieren.
Beim Morbus Crohn können verschiedene Prozesse dieses System beeinträchtigen.
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Blutverlust
Entzündungen und Geschwüre im Verdauungstrakt können zu Blutungen im Magen-Darm-Trakt führen. Schon relativ geringe Mengen an anhaltendem Blutverlust können die Eisenspeicher des Körpers nach und nach aufbrauchen.
Chronische Entzündung
Morbus Crohn ist eine entzündliche Erkrankung. Die Entzündung verändert die Art und Weise, wie der Körper Eisen aufnimmt, speichert und verwertet.
Das kann zu einer Anämie bei chronischen Erkrankungen führen, die manchmal auch als Entzündungsanämie bezeichnet wird.
Verminderte Eisenaufnahme
Eisen wird über den Verdauungstrakt aufgenommen. Durch die mit Morbus Crohn verbundenen Entzündungen, Veränderungen im Verdauungstrakt und andere Faktoren kann es schwieriger sein, ausreichende Eisenspeicher aufrechtzuerhalten.
Vitaminmangel
Der Körper braucht verschiedene Nährstoffe, um gesunde rote Blutkörperchen zu bilden.
Dazu gehören:
- Eisen
- Vitamin B12
- Folsäure.
Ein Vitamin-B12-Mangel ist besonders bei manchen Menschen mit Morbus Crohn relevant, bei denen der Dünndarm betroffen ist oder die sich einer Darmoperation unterzogen haben.[1]
Es können auch mehrere Ursachen gleichzeitig vorliegen. Zum Beispiel kann jemand sowohl an Eisenmangel als auch an einer entzündungsbedingten Anämie leiden.
Was sind die Symptome einer Anämie bei Morbus Crohn?
Anämie kann zu Müdigkeit, Schwäche, verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Atemnot und Konzentrationsschwierigkeiten verursachen. Die Symptome variieren je nach Ursache und Schweregrad.
Manche Leute merken, dass alltägliche Tätigkeiten mehr Anstrengung erfordern.
Mögliche Symptome sind:
- anhaltende Müdigkeit
- Schwäche
- geringerer Energieverbrauch
- Kopfschmerzen
- Schwindel oder Benommenheit
- Atemnot, vor allem bei körperlicher Anstrengung
- ein schnellerer oder stärker spürbarer Herzschlag
- Konzentrationsschwierigkeiten
- verminderte Belastbarkeit
- blasse Haut.
Ein Eisenmangel kann auch schon Symptome verursachen, bevor der Hämoglobinspiegel so weit absinkt, dass er die Definition einer Anämie erfüllt.
ECCO weist darauf hin, dass Eisenmangel ohne Anämie mit Müdigkeit, verminderter körperlicher Leistungsfähigkeit, beeinträchtigten kognitiven Funktionen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, verminderter Libido und unruhigen Beinen einhergehen kann.[1]
Das heißt, ein „normaler“ Hämoglobinwert schließt ein Eisenproblem nicht unbedingt aus.
Bedeutet Müdigkeit bei Morbus Crohn immer, dass man anämisch ist?
Nein. Müdigkeit tritt bei Morbus Crohn häufig auf, auch wenn die Hämoglobin- und Eisenwerte normal sind.[1]
Laut ECCO leiden etwa 40–60 % der Menschen mit inaktiver bis leicht aktiver CED und mehr als 80 % der Menschen mit aktiver Erkrankung unter Müdigkeit.[1]
Müdigkeit kann verschiedene, sich überschneidende Ursachen haben.
Das kann zum Beispiel Folgendes sein:
- Anämie
- Eisenmangel ohne Anämie
- aktive Crohn-Entzündung
- Vitamin-B12- oder Folsäuremangel
- mangelhafte Ernährung
- Schlafstörung
- Schmerz
- nächtlicher Durchfall
- Wirkungen von Medikamenten
- psychologische Faktoren.
Müdigkeit kann auch dann noch anhalten, wenn sich Morbus Crohn in Remission befindet.
Deshalb lohnt es sich, über anhaltende Müdigkeit zu sprechen, anstatt einfach davon auszugehen, dass sie zum Leben mit Morbus Crohn dazugehört.
Welche Blutuntersuchungen können bei der Abklärung einer Anämie im Rahmen von Morbus Crohn helfen?
Ärzte betrachten in der Regel mehrere Blutwerte gemeinsam, da kein einzelner Test jeden Fall von Crohn-bedingter Anämie erklären kann.
ECCO empfiehlt eine erste Anämieuntersuchung, die ein großes Blutbild, das mittlere korpuskuläre Volumen (MCV), Retikulozyten, Ferritin, die Transferrinsättigung (TSAT), CRP, Vitamin B12 und Folsäure umfasst.[1]
Hämoglobin
Hämoglobin ist das sauerstofftransportierende Protein in den roten Blutkörperchen.
Ein niedriger Hämoglobinwert dient zur Feststellung einer Anämie, wobei die Referenzbereiche je nach Faktoren wie Alter, Geschlecht, Schwangerschaftsstatus, Laborverfahren und klinischem Kontext variieren können.
Ferritin
Ferritin ist ein Marker für die Eisenspeicher des Körpers, doch bei Morbus Crohn kann die Interpretation dieses Wertes bei Vorliegen einer Entzündung schwieriger sein.
Wenn keine klinischen, endoskopischen oder biochemischen Anzeichen einer aktiven Entzündung vorliegen, deutet ein Ferritinwert unter 30 µg/L gemäß den europäischen Leitlinien auf einen Eisenmangel hin.[1]
Bei einer Entzündung kann der Ferritinspiegel aber ansteigen.
Aus diesem Grund schließt ein Ferritinwert, der sonst vielleicht als normal erscheinen würde, bei aktivem Morbus Crohn einen Eisenmangel nicht unbedingt aus. Bei einer Entzündung kann ein Ferritinwert von bis zu 100 µg/L immer noch mit einem Eisenmangel vereinbar sein.[1]
Transferrinsättigung
Die Transferrinsättigung, oft mit TSAT abgekürzt, gibt Aufschluss darüber, wie viel Eisen dem Körper zur Verfügung steht.
Ärzte können den TSAT-Wert zusammen mit dem Ferritinspiegel und Entzündungsmarkern heranziehen, um Eisenmangel von einer Anämie bei chronischen Erkrankungen oder einer Kombination aus beidem zu unterscheiden.[1]
CRP
Das C-reaktive Protein, kurz CRP, ist ein Entzündungsmarker.
Das CRP liefert wichtige Hintergrundinformationen für die Interpretation des Ferritinspiegels, da Entzündungen den Ferritinspiegel unabhängig vom verfügbaren Eisenvorrat des Körpers erhöhen können.
MCV
Das mittlere Korpuskularvolumen (MCV) gibt die durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen an.
Bei Eisenmangel können die roten Blutkörperchen kleiner als normal sein. Größere Zellen können mit einem Vitamin-B12- oder Folsäuremangel zusammenhängen, obwohl auch Medikamente und andere Faktoren den MCV-Wert beeinflussen können.
Die Blutwerte müssen daher im Zusammenhang betrachtet werden und nicht nur anhand eines einzelnen Wertes.
Was bedeuten niedrige Ferritin- und Eisenwerte bei Morbus Crohn?
Ein niedriger Ferritinwert kann auf erschöpfte Eisenspeicher hindeuten, doch durch die mit Morbus Crohn verbundenen Entzündungen kann die Interpretation des Ferritinwerts erschwert werden.[1]
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Eisenmangel und Anämie bei chronischen Erkrankungen nicht genau dasselbe Problem sind.
Bei einer Eisenmangelanämie steht dem Körper nicht genug Eisen zur Verfügung, um ausreichend Hämoglobin zu bilden.
Bei einer Anämie im Zusammenhang mit einer chronischen Erkrankung beeinträchtigt eine Entzündung die Fähigkeit des Körpers, Eisen effektiv zu verwerten und zu verteilen.
Manche Leute haben beides.
Gemäß den ECCO-Leitlinien gilt bei Vorliegen einer Entzündung:
- Ein Ferritinwert zwischen 30 und 100 µg/L kann auf eine Kombination aus echtem Eisenmangel und einer Anämie bei chronischer Erkrankung hindeuten
- Ein Ferritinwert über 100 µg/L in Verbindung mit einer niedrigen Transferrinsättigung kann auf eine Anämie bei chronischen Erkrankungen hindeuten.[1]
Das ist ein Grund, warum es irreführend sein kann, nur den Serum-Eisenwert oder den Ferritin-Wert zu betrachten.
Ein medizinisches Fachpersonal kann diese Werte zusammen mit CRP, Hämoglobin, TSAT, den Symptomen und der Crohn-Aktivität auswerten.
Warum kann es bei Morbus Crohn zu einem Vitamin-B12-Mangel kommen?
Ein Vitamin-B12-Mangel kann entstehen, wenn Morbus Crohn den Dünndarm, insbesondere das terminale Ileum, befällt oder nach bestimmten Darmresektionen.[1]
Vitamin B12 ist für die normale Bildung roter Blutkörperchen und die Funktion des Nervensystems notwendig.
Der letzte Abschnitt des Dünndarms, das sogenannte terminale Ileum, spielt eine wichtige Rolle bei der Aufnahme von Vitamin B12.
Morbus Crohn betrifft häufig diesen Abschnitt des Verdauungstrakts. Auch frühere Operationen am Ileum können das Risiko eines Vitamin-B12-Mangels erhöhen.
ECCO empfiehlt, dass Personen, bei denen das Risiko eines Vitamin-B12- oder Folsäuremangels besteht – insbesondere bei Menschen mit Morbus Crohn im Dünndarm, einer früheren Darmresektion oder Makrozytose –, diese Werte mindestens einmal jährlich überprüfen lassen sollten.[1]
Manche Menschen müssen je nach Schweregrad der Erkrankung oder des Eingriffs genauer überwacht werden.
Wie kann sich ein Vitamin-B12-Mangel anfühlen?
Ein Vitamin-B12-Mangel kann zu Müdigkeit und Schwäche führen, aber auch neurologische Symptome verursachen.
Mögliche Symptome können sein:
- Müdigkeit
- Schwäche
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Kribbeln
- Taubheitsgefühl
- Gleichgewichtsprobleme
- Gedächtnis- oder kognitive Veränderungen
- eine wunde oder entzündete Zunge.
Diese Symptome treten nicht ausschließlich bei einem Vitamin-B12-Mangel auf. Sie können viele andere Ursachen haben.
Blutuntersuchungen und eine klinische Beurteilung sind daher wichtiger, als selbst zu versuchen, die Ursache für Müdigkeit oder neurologische Symptome herauszufinden.
Kann man einen Eisenmangel haben, ohne an Anämie zu leiden?
Ja. Die Eisenspeicher können aufgebraucht sein, bevor der Hämoglobinspiegel unter den Normalbereich fällt. Das wird als Eisenmangel ohne Anämie oder nicht-anämischer Eisenmangel bezeichnet. [1]
Diese Unterscheidung kann besonders für jemanden relevant sein, der sich ständig erschöpft fühlt, dem aber gesagt wurde, dass sein Hämoglobinwert normal ist.
ECCO weist darauf hin, dass Symptome im Zusammenhang mit Eisenmangel auftreten können, bevor sich eine Anämie entwickelt.[1]
Dazu können Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen und das Restless-Legs-Syndrom gehören.
Wenn die anhaltende Müdigkeit trotz normaler Hämoglobinwerte weiterbesteht, kann es daher sinnvoll sein, zu klären, ob auch andere Werte – darunter Ferritin, TSAT, CRP, B12 und Folsäure – untersucht wurden.
Wie wird eine Eisenmangelanämie bei Morbus Crohn behandelt?
Eine Eisenmangelanämie bei Morbus Crohn wird durch eine Eisenersatztherapie behandelt, wobei gleichzeitig Entzündungen, anhaltender Blutverlust und die Aktivität der Crohn-Erkrankung berücksichtigt werden.[1]
Eisen kann oral oder intravenös verabreicht werden.
Die geeignete Vorgehensweise hängt von Faktoren wie dem Schweregrad der Anämie, der Krankheitsaktivität, der bisherigen Verträglichkeit von Eisen und den individuellen Umständen ab.
Wann wird Eisen zum Einnehmen angewendet?
Bei einer leichten Eisenmangelanämie kann die Gabe von oralem Eisen in Betracht gezogen werden, wenn das Morbus Crohn klinisch inaktiv ist und orales Eisen zuvor gut vertragen wurde.[1]
Eisentabletten oder andere orale Präparate können praktisch sein, da man sie zu Hause einnehmen kann.
Es können jedoch Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt auftreten, und bei manchen Menschen ist die Aufnahme möglicherweise weniger gut.
Wann wird intravenös verabreichtes Eisen eingesetzt?
Die aktuellen ECCO-Leitlinien empfehlen intravenös verabreichtes Eisen als Erstlinienbehandlung bei Menschen mit klinisch aktiver CED, bei Menschen, die orales Eisen bisher nicht vertragen haben, und bei Menschen, die eine erythropoese-stimulierende Therapie benötigen.[1]
Intravenös verabreichtes Eisen gelangt direkt in den Blutkreislauf, anstatt auf die Aufnahme im Darm angewiesen zu sein.
Die Entscheidung zwischen oralem und intravenösem Eisen sollte auf einer klinischen Beurteilung beruhen und nicht darauf, dass man davon ausgeht, dass ein Ansatz für alle Menschen mit Morbus Crohn geeignet ist.
Solltest du Eisenpräparate einnehmen, wenn du an Morbus Crohn leidest?
Die Einnahme von Eisenpräparaten sollte idealerweise auf dem Nachweis eines Eisenmangels und einem Gespräch mit einer medizinischen Fachkraft basieren.
Müdigkeit allein ist kein Anzeichen für einen Eisenmangel.
Es kann auch zu einer Anämie kommen, die in erster Linie durch Entzündungen, Vitaminmangel, Nebenwirkungen von Medikamenten oder eine andere Erkrankung verursacht wird.
Bluttests können helfen, festzustellen, ob ein Eisenmangel vorliegt, und geben Aufschluss darüber, welche Form der Substitution am besten geeignet ist.
Wenn du bereits Eisen einnimmst und weiterhin unter Müdigkeit leidest, solltest du das lieber mit deinem Behandlungsteam besprechen, anstatt die Dosis einfach automatisch zu erhöhen.
Wie wird ein Vitamin-B12-Mangel bei Morbus Crohn behandelt?
Ein nachgewiesener Vitamin-B12-Mangel kann durch eine Vitamin-B12-Substitution behoben werden, wobei die Vorgehensweise von der Ursache und dem Schweregrad des Mangels abhängt.[1]
Die Substitution kann je nach den individuellen Umständen und der Fähigkeit der Person, das Vitamin aufzunehmen, in Form von oral einzunehmendem Vitamin B12 oder durch Injektionen erfolgen.
Bei Menschen mit Morbus Crohn, der das Ileum betrifft, oder nach einer früheren Operation am Ileum kann eine fortlaufende Überwachung ebenfalls sinnvoll sein, da das zugrunde liegende Resorptionsproblem bestehen bleiben kann.
Ein Folatmangel sollte ebenfalls erkannt und, falls vorhanden, behoben werden.[1]
Kann die Behandlung von Morbus Crohn die Anämie lindern?
Die Behandlung einer aktiven Crohn-Entzündung kann ein wichtiger Teil der Therapie bei einer chronischen anämischen Erkrankung sein, doch kann dennoch eine zusätzliche Eisen- oder Vitaminzufuhr erforderlich sein.
Eine aktive Darmentzündung kann zu Blutverlust führen und den Eisenstoffwechsel des Körpers beeinflussen.
Aus diesem Grund kann eine Anämie manchmal zusätzliche Informationen über die Krankheitsaktivität liefern.
Die Linderung der Crohn-Entzündung führt jedoch nicht automatisch zur Wiederauffüllung der erschöpften Eisenspeicher. Die zugrunde liegende Ursache der Anämie muss weiterhin abgeklärt werden.
Ebenso kann es sich lohnen, eine wiederkehrende Anämie nach einer vorherigen Korrektur mit dem medizinischen Team zu besprechen, da möglicherweise eine anhaltende Entzündung, Blutverlust, ein Nährstoffmangel oder eine andere Ursache in Betracht gezogen werden muss.
Wie oft sollten bei Morbus Crohn Anämie und Eisenwerte überprüft werden?
ECCO empfiehlt eine regelmäßige Untersuchung auf Anämie, da diese bei entzündlichen Darmerkrankungen häufig auftritt und nach der Behandlung wieder auftreten kann.[1]
Bei Patienten in Remission oder mit geringer Krankheitsaktivität sollten die Anämieparameter in der Regel alle 6–12 Monate überprüft werden.
Für Menschen mit aktiver Erkrankung empfiehlt die ECCO eine Untersuchung mindestens alle 3 Monate.[1]
Personen mit erhöhtem Risiko für einen Vitamin-B12- oder Folsäuremangel, insbesondere solche mit Morbus Crohn im Dünndarm oder einer früheren Darmresektion, sollten mindestens einmal jährlich auf Vitamin B12 und Folsäure untersucht werden.[1]
Nach der Behandlung einer Eisenmangelanämie empfiehlt die ECCO, den Hämoglobin- und Ferritinspiegel mindestens ein Jahr lang nach Wiederherstellung der Eisenspeicher alle 3–6 Monate zu kontrollieren, danach alle 6–12 Monate.[1]
Die individuellen Kontrolltermine können variieren, daher kann dir dein Behandlungsteam erklären, was in deiner Situation wichtig ist.
Wann sollte man Müdigkeit oder Anämie mit einem Arzt besprechen?
Wenn du unter neuer, anhaltender oder sich verschlimmernder Müdigkeit leidest, solltest du das mit einem Arzt besprechen, vor allem, wenn sie deine Alltagsaktivitäten beeinträchtigt oder zusammen mit anderen Crohn-Symptomen auftritt.
Erwähne doch mal Symptome wie:
- anhaltende Erschöpfung trotz ausreichender Erholung
- zunehmende Schwäche
- Schwindel oder Benommenheit
- Atemnot
- spürbarer oder schneller Herzschlag
- eingeschränkte Fähigkeit, Sport zu treiben oder alltägliche Aktivitäten zu erledigen
- neue Konzentrationsprobleme
- anhaltende Magen-Darm-Blutungen
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln
- unerklärlicher Gewichtsverlust.
Starke Atemnot, Brustschmerzen, Ohnmacht, starke Blutungen oder sich rasch verschlimmernde Symptome erfordern eine sofortige ärztliche Untersuchung.
Was kannst du vor deinem nächsten Termin wegen Morbus Crohn notieren?
Wenn du einfach Notizen zu Müdigkeit, Crohn-Symptomen, Laborergebnissen und Fragen machst, kannst du leichter erklären, was sich verändert hat.
Du könntest dir Folgendes notieren:
- als die Müdigkeit einsetzte
- ob es konstant ist oder mal da ist und mal nicht
- ob Schlaf das verbessert
- ob alltägliche körperliche Aktivitäten schwieriger geworden sind
- Veränderungen bei Durchfall, Bauchschmerzen oder anderen Crohn-Symptomen
- sichtbares Blut im Stuhl
- Veränderungen bei deiner Ernährung oder deinem Appetit
- früherer Eisen- oder B12-Mangel
- frühere Darmoperation
- Eisen, Vitamine oder andere Nahrungsergänzungsmittel, die du derzeit einnimmst
- Aktuelle Ergebnisse zu Hämoglobin, Ferritin, TSAT, CRP, Vitamin B12 oder Folsäure, falls vorhanden.
Du musst die Ergebnisse nicht selbst auswerten.
Das Ziel ist es, die Informationen, die du bereits hast, so zu ordnen, dass du sie leichter mit deinem Behandlungsteam besprechen kannst.
Wie kann „ mama health “ dich zwischen deinen Crohn-Terminen unterstützen?
mama health kann dir dabei helfen, deine Gesundheitsdaten zu ordnen, medizinische Fachbegriffe in einfacher Sprache zu verstehen, von anderen Menschen mit chronischen Erkrankungen zu lernen und dich auf Gespräche mit deinem Behandlungsteam vorzubereiten.
Morbus Crohn kann eine lange Reihe von Blutuntersuchungen, Befunden, Medikamenten, Terminen und Fragen nach sich ziehen. Wenn Müdigkeit auftritt, fällt es dir vielleicht schwer, dich daran zu erinnern, ob dein Ferritinwert vor sechs Monaten niedrig war, wie dein letzter B12-Befund aussah oder was du bei deinem nächsten Termin fragen wolltest.
Mit „ mama health “ kannst du:
- Finde Fachärzte und medizinische Versorgung in deiner Nähe. Suche nach passenden Ärzten und Kliniken und informiere dich über deren Fachgebiete.
- Lerne von anderen, die mit derselben Erkrankung leben. Entdecke Fragen und Erfahrungen von Menschen, die wissen, wie der Alltag mit einer chronischen Erkrankung aussehen kann. Individuelle Erfahrungen variieren und ersetzen keinen ärztlichen Rat.
- Verstehe Laborergebnisse und medizinische Befunde in einer einfacheren Sprache. Ergebnisse zu Hämoglobin, Ferritin, CRP, Eisen oder Vitamin B12 können unbekannte Fachbegriffe enthalten. mama health bietet leicht verständliche Erklärungen, die dir helfen, diese Informationen besser zu verstehen und mit deinem Arzt zu besprechen.
- Erstelle einen strukturierten Bericht für deinen Termin. Fasse Symptome, Fragen, Befunde, Erfahrungen mit Medikamenten und andere Informationen, die du festhalten möchtest, in einer Zusammenfassung zusammen, die du deinem Behandlungsteam vorlegen kannst.
Für jemanden, der unter Crohn-bedingter Müdigkeit leidet, könnte das bedeuten, die aktuellen Laborergebnisse, Veränderungen im Energiehaushalt, Informationen zu Medikamenten und Fragen zu Eisen oder B12 vor einem Termin zusammenzustellen.
mama health bietet Informationen und eine Übersicht, die dir helfen sollen, die Situation besser zu verstehen und dich auf deinen Termin vorzubereiten. Es dient nicht dazu, eine Anämie zu diagnostizieren, die Ursache eines auffälligen Laborbefunds zu ermitteln oder zu entscheiden, welche Behandlung für dich geeignet ist.
Welche Fragen könntest du deinem Crohn-Behandlungsteam zum Thema Anämie stellen?
Hilfreiche Fragen können dabei helfen, zu klären, ob die Müdigkeit mit einer Anämie, einem Eisenmangel, einer Entzündung, einem Vitaminmangel oder einem anderen Faktor zusammenhängt.
Du könntest zum Beispiel fragen:
- Liegt mein Hämoglobinwert im erwarteten Bereich?
- Wurden mein Ferritin-Wert und meine Transferrinsättigung schon untersucht?
- Hat eine Entzündung Einfluss darauf, wie mein Ferritin-Befund interpretiert werden sollte?
- Könnte ich einen Eisenmangel haben, auch wenn mein Hämoglobinwert normal ist?
- Wurden meine Vitamin-B12- und Folsäurespiegel schon untersucht?
- Erhöht die Lokalisation meiner Morbus-Crohn-Erkrankung mein Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel?
- Könnte eine frühere Darmoperation die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen?
- Wenn ich einen Eisenersatz brauche, welche Möglichkeiten gibt es dann?
- Wie oft sollten meine Blutwerte überprüft werden?
- Könnte eine aktive Crohn-Erkrankung zu meiner Anämie oder meiner Müdigkeit beitragen?
- Gibt es noch andere mögliche Ursachen für meine Müdigkeit, die in Betracht gezogen werden sollten?
Wenn du dir diese Fragen vor einem Termin aufschreibst, kannst du dich besser auf die Themen konzentrieren, die dir am wichtigsten sind.
Häufig gestellte Fragen zu Morbus Crohn und Anämie
Tritt bei Morbus Crohn häufig eine Anämie auf?
Ja. Anämie ist eine der häufigsten Komplikationen bei entzündlichen Darmerkrankungen. Die ECCO nennt Eisenmangelanämie und Anämie bei chronischen Erkrankungen als die häufigsten Formen.[1]
Eine in der Leitlinie zitierte Metaanalyse schätzte, dass etwa 27 % der Menschen mit Morbus Crohn an Anämie leiden, wobei die Raten je nach Population und Krankheitsaktivität erheblich variieren.[1]
Kann Morbus Crohn zu Eisenmangel führen?
Ja. Morbus Crohn kann durch Blutverlust im Magen-Darm-Trakt, Entzündungen, eine verminderte Eisenaufnahme und Probleme bei der Eisenaufnahme zu einem Eisenmangel führen.[1]
Ein Eisenmangel kann mit oder ohne Anämie auftreten.
Kann Morbus Crohn zu einem Vitamin-B12-Mangel führen?
Ja. Ein B12-Mangel tritt besonders häufig auf, wenn Morbus Crohn den Dünndarm betrifft oder wenn ein Teil des Ileums operativ entfernt wurde.[1]
Menschen mit erhöhtem Risiko müssen ihren Vitamin-B12-Spiegel möglicherweise regelmäßig kontrollieren lassen.
Kann der Ferritinwert normal sein, auch wenn man einen Eisenmangel hat?
Ja. Eine Entzündung kann den Ferritinspiegel erhöhen, was bedeutet, dass ein scheinbar normaler Befund bei aktiver Morbus-Crohn-Erkrankung nicht immer einen Eisenmangel ausschließen kann.[1]
Laut ECCO kann ein Ferritinwert von bis zu 100 µg/L bei Vorliegen einer Entzündung dennoch mit einem Eisenmangel vereinbar sein.
Deshalb wird Ferritin in der Regel zusammen mit Markern wie TSAT, CRP und Hämoglobin ausgewertet.
Kann ein niedriger Eisenspiegel dich müde machen, auch wenn du keine Anämie hast?
Ja. Eisenmangel kann schon mit Müdigkeit einhergehen, noch bevor der Hämoglobinspiegel so weit absinkt, dass er die Definition einer Anämie erfüllt.[1]
Anhaltende Müdigkeit kann daher auch dann ein Thema sein, wenn der Hämoglobinwert innerhalb des Referenzbereichs des Labors liegt.
Was ist bei Morbus Crohn besser: Eisen als Tablette oder intravenös?
Welche Form von Eisen die richtige ist, hängt von der Krankheitsaktivität, dem Schweregrad der Anämie, der Verträglichkeit und den individuellen Umständen ab.
ECCO empfiehlt intravenös verabreichtes Eisen als Erstbehandlung für Menschen mit klinisch aktiver CED und für diejenigen, die bisher orales Eisen nicht vertragen haben. Orales Eisen kann bei einer leichten Eisenmangelanämie geeignet sein, wenn die CED klinisch inaktiv ist.[1]
Ein medizinisches Fachpersonal kann entscheiden, welcher Ansatz für die jeweilige Situation geeignet ist.
Warum bin ich immer noch müde, obwohl meine Eisenwerte normal sind?
Müdigkeit bei Morbus Crohn kann unabhängig von Anämie oder Eisenmangel auftreten.[1]
Aktive Entzündungen, Mangelernährung, Schlafstörungen, Schmerzen, nächtlicher Durchfall, psychische Faktoren, Medikamente und andere Erkrankungen können dazu beitragen.
Anhaltende Müdigkeit sollte daher umfassender untersucht werden, anstatt einfach davon auszugehen, dass immer ein Eisenmangel dahintersteckt.
Müdigkeit kann einer der frustrierendsten Aspekte des Lebens mit Morbus Crohn sein.
Du schläfst vielleicht acht Stunden und wachst trotzdem erschöpft auf. Das Treppensteigen kann sich anstrengender anfühlen als sonst. Es kann dir schwerfallen, dich bei der Arbeit zu konzentrieren. Oder eine routinemäßige Blutuntersuchung zeigt plötzlich niedrige Werte bei Hämoglobin, Eisen, Ferritin oder Vitamin B12.
Diese Probleme können miteinander zusammenhängen.
Anämie ist eine der häufigsten Komplikationen bei entzündlichen Darmerkrankungen (IBD). Eisenmangel und die Anämie bei chronischen Erkrankungen sind die beiden häufigsten Formen. Auch ein Mangel an Vitamin B12 und Folsäure kann dazu beitragen.[1]
Müdigkeit bedeutet jedoch nicht automatisch, dass du anämisch bist. Wenn du die verschiedenen Möglichkeiten kennst, kannst du ein konstruktiveres Gespräch mit deinem Behandlungsteam führen.
Dieser Inhalt dient nur zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar.
mama health bietet Informationen und Unterstützung, ersetzt aber nicht deinen Arzt.
- Europäische Organisation für Morbus Crohn und Colitis (ECCO). ECCO-Leitlinien zu extraintestinalen Manifestationen bei entzündlichen Darmerkrankungen. Journal of Crohn’s and Colitis. 2024.
- ECCO-ESGAR-ESP-IBUS. Leitlinie zur Diagnostik und Überwachung von Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen: Teil 1. Journal of Crohn’s and Colitis.
- Europäische Organisation für Morbus Crohn und Colitis (ECCO). Europäischer Konsens zur Diagnose und Behandlung von Eisenmangel und Anämie bei entzündlichen Darmerkrankungen. Journal of Crohn’s and Colitis.
- Crohn’s & Colitis Foundation. Patienteninformationen zu Anämie, Eisenmangel, Ernährung und Morbus Crohn.
- NHS. Patienteninformationen zu Eisenmangelanämie und Vitamin-B12- oder Folsäuremangelanämie.
