Den GAP-Index bei Lungenfibrose verstehen: Was das für dich bedeutet

von Dr. Jonas Witt
Arzt
16. April 2026
-
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Inhaltsverzeichnis

TL;DR

  • Der GAP-Index ist ein einfaches Bewertungsinstrument, mit dem Ärzte den möglichen Verlauf einer Lungenfibrose (IPF) vorhersagen können.
  • Anhand deines Geschlechts, deines Altersund zweier Lungenfunktionstests (Physiologie) wirst du in eines von drei Stadien eingestuft.
  • Ein höheres Stadium bedeutet ein höheres Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung.
  • Aber es ist ein Planungsinstrument, kein endgültiges Urteil.
  • Wenn du weißt, in welchem GAP-Stadium du dich befindest, könnt ihr gemeinsam – du und dein Arzt – bessere Entscheidungen treffen.

Was ist der GAP-Index?

Der GAP-Index ist ein Bewertungssystem, das speziell für Menschen mit idiopathischer Lungenfibrose (IPF) entwickelt wurde. Ärzte nutzen ihn, um abzuschätzen, wie sich die Krankheit in den nächsten ein bis drei Jahren entwickeln könnte.

GAP steht für:

  • G – Geschlecht
  • A – Alter
  • P – Physiologie (zwei Atemtests: FVC und DLCO)

Es wurde entwickelt, um Ärzten und Patienten eine klarere, einheitlichere Möglichkeit zu bieten, über die Prognose zu sprechen und die Behandlung entsprechend zu planen.

Warum nutzen Ärzte den GAP-Index?

IPF verläuft bei jedem Menschen anders. Bei manchen bleibt der Zustand jahrelang stabil, bei anderen verschlechtert er sich schneller. Ohne ein strukturiertes Instrument ist es schwer vorherzusagen, welchen Verlauf die Krankheit bei einer Person nehmen wird.

Der GAP-Index bietet deinem Behandlungsteam eine gemeinsame Sprache und einen evidenzbasierten Rahmen. Er hilft bei Entscheidungen über die Behandlungsintensität, die Überweisung an Fachzentren und die Frage, ob frühzeitig über eine Lungentransplantation gesprochen werden sollte.

Betrachte es weniger als eine Unheilsprophezeiung, sondern eher als eine Wettervorhersage: Es sagt dir, auf welche Umstände du dich einstellen musst, damit du klug reagieren kannst.

Wie wird der GAP-Wert berechnet?

Dein Arzt berechnet die Punkte anhand von vier Faktoren:

Geschlecht

  • Frauen: 0 Punkte
  • Männer: 1 Punkt

Alter

  • 60 Jahre oder jünger: 0 Punkte
  • 61–65 Jahre: 1 Punkt
  • Über 65 Jahre: 2 Punkte

Physiologie: FVC (Forcierte Vitalkapazität)

Der FVC-Wert gibt an, wie viel Luft du nach einem tiefen Einatmen ausatmen kannst.

  • Mehr als 75 %: 0 Punkte
  • 50–75 %: 1 Punkt
  • Weniger als 50 %: 2 Punkte

Physiologie: DLCO (Diffusionskapazität der Lunge für Kohlenmonoxid)

Der DLCO-Wert gibt an, wie gut Sauerstoff aus deiner Lunge in deinen Blutkreislauf gelangt.

  • Mehr als 55 %: 0 Punkte
  • 36–55 %: 1 Punkt
  • 35 % oder weniger: 2 Punkte
  • Der Test konnte nicht durchgeführt werden: 3 Punkte

Je nach deiner Gesamtpunktzahl wirst du einer von drei Stufen zugeordnet.

Was bedeuten die GAP-Phasen?

GAP-Stufe I (0–3 Punkte)

Dies ist die Kategorie mit dem geringsten Risiko. Studien zeigen, dass etwa 6 % der Menschen im Stadium I möglicherweise nicht länger als ein Jahr überleben. Das bedeutet nicht, dass die Krankheit nicht ernst ist, sondern dass die aktuellen Indikatoren auf einen langsameren Krankheitsverlauf hindeuten und mehr Zeit für die Planung bleibt.

GAP Stufe II (4–5 Punkte)

Dies ist ein Zwischenstadium. Das geschätzte Sterberisiko innerhalb eines Jahres steigt auf etwa 16–21 %. Dein Arzt wird möglicherweise proaktivere Behandlungsstrategien, eine engmaschigere Überwachung und die Frage besprechen, ob eine Transplantationsuntersuchung angebracht ist.

GAP-Stufe III (6–8 Punkte)

Dies ist das Stadium mit dem höchsten Risiko, mit einer geschätzten Ein-Jahres-Sterblichkeitsrate von etwa 39–62 %. Wenn du dich im Stadium III befindest, wird dein Behandlungsteam wahrscheinlich eher früher als später mit dir über die Vorsorgeplanung, die Eignung für eine Transplantation und die Unterstützung durch Spezialisten sprechen wollen.

Man sollte nicht vergessen: Es handelt sich hierbei um statistische Schätzungen, die auf Patientengruppen basieren. Es sind keine individuellen Prognosen. Es gibt Menschen im Stadium III, die weit über die Schätzungen hinaus gelebt haben; und Menschen im Stadium I, deren Zustand sich schneller verschlechtert hat. Dein Ergebnis ist nur ein Teil eines viel größeren Gesamtbildes.

Was der GAP-Index dir nicht verrät

Der GAP-Index ist ein nützliches Instrument, hat aber echte Grenzen:

  • Akute Exazerbationen (plötzliche Verschlechterungen) werden dabei nicht berücksichtigt.
  • Dabei wird deine Reaktion auf antifibrotische Medikamente wie Nintedanib oder Pirfenidon nicht berücksichtigt.
  • Das sagt nichts über deine Lebensqualität, deine psychische Gesundheit oder dein Unterstützungsnetzwerk aus – alles Dinge, die enorm wichtig sind.
  • Es wurde in erster Linie an bestimmten Patientengruppen validiert und ist bei anderen möglicherweise weniger genau.

Dein GAP-Stadium sollte immer im Gesamtkontext deiner Krankengeschichte, deiner Symptome und deiner persönlichen Behandlungsziele besprochen werden.

Fragen, die du deinem Arzt zu deinem GAP-Wert stellen solltest

Deinen Wert zu kennen ist eine Sache, zu verstehen, was er für dein Leben bedeutet, eine andere. Das sind gute Fragen, die du bei deinem nächsten Termin stellen solltest:

  • In welchem GAP-Stadium befinde ich mich gerade, und was bedeutet das für meinen Behandlungsplan?
  • Wie oft werden meine Lungenfunktionstests wiederholt, um Veränderungen zu beobachten?
  • Welche Hilfsangebote stehen mir und meiner Familie zur Verfügung?

Ein paar Gedanken zum Leben mit diesen Informationen

Eine Prognose zu erhalten, selbst wenn es nur eine statistische ist, ist schwer. Es ist ganz normal, Angst zu haben, wütend zu sein oder sich überfordert zu fühlen. Vielen Menschen hilft es, eine Vertrauensperson zu den Terminen mitzubringen, sich Notizen zu machen oder Gespräche mit Erlaubnis des Arztes aufzuzeichnen und über Patientengruppen Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen, die ebenfalls mit IPF leben.

Organisationen wie die Pulmonary Fibrosis Foundation bieten Mentoring durch Betroffene, Selbsthilfegruppen und Verzeichnisse von Behandlungszentren an. Du musst das alles nicht alleine bewältigen.

Haftungsausschluss:

Dieser Inhalt dient nur zur Info und ist kein medizinisches Gerät.

mama health bietet Informationen und Unterstützung, ersetzt jedoch nicht den Arzt.

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Quellen

1. Ley B, Ryerson CJ, Vittinghoff E, et al. (2012). Ein multidimensionaler Index und ein Stadieneinteilungssystem für die idiopathische Lungenfibrose. Annals of Internal Medicine, 156(10), 684–691. https://doi.org/10.7326/0003-4819-156-10-201205150-00004
2. Raghu G, Collard HR, Egan JJ, et al. (2011). Eine offizielle Stellungnahme von ATS/ERS/JRS/ALAT: Idiopathische Lungenfibrose: Evidenzbasierte Leitlinien für Diagnose und Behandlung. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 183(6), 788–824. https://doi.org/10.1164/rccm.2009-040GL
3. Pulmonary Fibrosis Foundation. (2024). Die IPF-Prognose verstehen. [https://www.pulmonaryfibrosis.org](https://www.pulmonaryfibrosis.org/)
4. du Bois RM, Weycker D, Albera C, et al. (2011). Forcierte Vitalkapazität bei Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose: Testmerkmale und minimaler klinisch relevanter Unterschied. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 184(12), 1382–1389. https://doi.org/10.1164/rccm.201105-0840OC
5. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). (2023). Idiopathische Lungenfibrose bei Erwachsenen: Diagnose und Behandlung. https://www.nice.org.uk/guidance/ng122